Rechtsikonographie

Die Rechtsikonographie beschäftigt sich mit der Interpretation von bildlichen Darstellungen, denen ein rechtlicher Gehalt anhaftet. Es geht etwa um Bilddekorationen an Gerichtsstätten, Gemälde mit rechtlichen Szenen oder auch Illustrationen von Rechtsbüchern. Die Rechtsikonographie ist traditionell ein Forschungsfeld und Teilfach der Rechtsgeschichte, wird heute aber interdisziplinär angegangen.

Informationen zu den Tagungen des Arbeitskreises für Rechtsikonographie finden Sie hier.


Zur Geschichte der rechtsikonographischen Forschung

Vom Titelblatt des Klagspiegels

Ausschnitt vom Titelblatt des Richterlichen Klagspiegels von Conrad Heyden (Druck von 1536)

Als „Iurisprudentia picturata“ war die Rechtsikonographie bereits im 18. Jahrhundert ein Forschungsgegenstand. Karl von Amira (1848-1930), der sich im 19. Jahrhundert prominent mit bildlichen Rechtsquellen auseinandersetzte, betonte, die Rechtikonographie sei nicht Teil der Rechtsarchäologie. Dennoch gibt es Überschneidungen, etwa wenn es um die Erforschung noch bestehender rechtlich relevanter Bauwerke geht. Die Rechtsikonographie bedient sich dabei nicht zuletzt des Instrumentariums der Kunstgeschichte. Fachliche Überschneidungen ergeben sich mit der rechtlichen Volkskunde.
 
In den letzten Jahrzehnten wurde rechtsikonographisches Bildmaterial vielfältig erforscht und auf unterschiedlichen Wegen verfügbar gemacht.  Nicht zuletzt entstanden mehrere
Onlineressourcen, die sich die Publikation rechtsikonographischer Materialien zum Ziel gesetzt haben:
 

Karl von Amiras „Rechtsarchäologische Sammlung“, die auch bedeutendes Material zur rechtlichen Ikonographie und Rechtssymbolik enthält, wird heute vom Leopold-Wenger Institut für Rechtsgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek online zur Verfügung gestellt: http://bsbdipriorkat.bsb.lrz.de/amira/
 
Die Bildersammlung des Rechtshistorikers Karl Frölich (1877-1953) ist über die Webpräsenz des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt (Main) online aufrufbar: http://sfr.rg.mpg.de/
 
Die rechtsikonographische Bildersammlung von Eberhard Freiherr von Künßberg (1881-1941), Karl Siegfried Bader (1905-1998) und Clausdieter Schott (in seiner Zeit als Züricher Ordinarius von 1975 bis 2004) wird heute von der „Abteilung Rechtsvisualisierung“ des „Zentrums für rechtsgeschichtliche Forschung“ der Universität Zürich weitergeführt und – zusammen mit einigen anderen Sammlungen in einer Onlinedatenbank präsentiert: http://rwiweb.uzh.ch/rechtsvisualisierung/release2/index.php
 

Die bedeutende, von Gernot Kocher zusammengetragene und seit den 1990er-Jahren öffentlich zugänglich gemachte „Rechtsikonographische Datenbank“ findet sich auf der Homepage des Instituts für Rechtswissenschaftliche Grundlagen der Karl-Franzens-Universität Graz: https://gams.uni-graz.at/context:rehi.


Auf Initiative von Gernot Kocher und Clausdieter Schott entstand im Jahre 1988 der Arbeitskreis für Rechtsikonographie, der alle zwei Jahre zusammentrifft. Mehr Informationen hierzu finden Sie hier.


Rechtsikonographische Literatur in Auswahl
 

  • Karl von Amira, Die Handgebärden in den Bilderhandschriften des Sachsenspiegels, in: Abhandlungen der philosophisch-philologischen Klasse der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 23,2 (1909), S. 161-263.
  • Karl von Amira, Der Stab in der germanischen Rechtssymbolik, in: Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Philologische und Historische Klasse 25 (1911), S. 1-180.
  • Karl Siegfried Bader (u.a.), Kunst und Recht – Festgabe für Hans Fehr, Karlsruhe 1948.
  • Andreas Bauer, Libri Pandectarum. Das römische Recht im Bild des 17. Jahrhunderts, Göttingen 2005.
  • Colette Brunschwig, Visualisierung von Rechtsnormen – legal design, Zürich 2001.
  • Colette Brunschwig, Rechtsikonographie, Rechtsikonologie und Rechtsvisualisierung: Gesprächs- und Entwicklungspotenziale, in: Markus Steppan/Helmut Gebhardt (Hrsg.), Zur Geschichte des Rechts. Festschrift für Gernot Kocher zum 65. Geburtstag, Graz 2006, S. 39-47.
  • Andreas Deutsch, Justitia, Prudentia und der weise Salomo. Visuelle Gerechtigkeitspostulate bei Gericht, in: Lena Kunz/Vivianne Ferreira Mese (Hrsg.), Rechtssprache und Schwächerenschutz, Baden-Baden 2018, S. 233-272.
  • Paul De Win (Hrsg.), Rechtsarcheologie en rechtsiconografie/Rechtsarchäologie und Rechtsikonographie. Een kennismaking; handelingen van het colloquium gehouden te Brussel op 27 april 1990, Brüssel 1992.
  • Hans Fehr, Das Recht im Bilde, Zürich 1923.
  • Georg Frommhold, Die Idee der Gerechtigkeit in der bildenden Kunst, eine ikonologische Studie, Greifswald/Bamberg 1925.
  • Stefan Huygebaert/Georges Martyn/Vanessa Paumen/Eric Bousmar/Xavier Rousseaux (Hrsg.), The Art of Law : Artistic Representations and Iconography of Law and Justice in Context, from the Middle Ages to the First World War, Cham (Schweiz) 2018.
  • Gernot Kocher, Zeichen und Symbole des Rechts, eine historische Ikonographie, München 1992.
  • Gernot Kocher, Die Rechtsikonographie, in: Ruth Schmidt-Wiegand (Hrsg.), Die Wolfenbütteler Bilderhandschrift des Sachsenspiegels, Aufsätze und Untersuchungen, Kommentarband zur Faksimile-Ausgabe, Berlin 1993, S. 107-117.
  • Gernot Kocher, Realien als Elemente der rechtlichen Bildsprache, in: Dieter Pötschke (Hrsg.), Stadtrecht, Roland und Pranger: zur Rechtsgeschichte von Halberstadt, Goslar, Bremen und Städten der Mark Brandenburg, Berlin. 2002, S. 166-176.
  • Gernot Kocher, Bilder – eine Nebenquelle der Rechtsgeschichte?, in: Festschrift für Wilhelm Brauneder zum 65. Geburtstag : Rechtsgeschichte mit internationaler Perspektive, Wien 2008, S. 223-228.
  • Gerhard Köbler, Bilder aus der deutschen Rechtsgeschichte – von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1988.
  • Walter Koschorreck, Der Sachsenspiegel in Bildern, aus der Heidelberger Bilderhandschrift ausgewählt und erläutert, 1. Aufl., Frankfurt (Main) 1976.
  • Eberhard von Künßberg, Der Sachsenspiegel – Bilder aus der Heidelberger Handschrift eingeleitet und erläutert, 1. Aufl. (?), Leipzig 1933.
  • Adolf Laufs, Die Fehr´sche rechtsarchäologische Bildersammlung, in: Gregor Richter (Hrsg.), Aus der Arbeit des Archivars, Festschrift für Eberhard Gönner, Stuttgart 1986, S. 361-374.
  • Heiner Lück, Spuren des Rechts in der Heimat Eikes von Repgow, Wettin-Dößel 2010.
  • Dietlinde Munzel-Everling, Rolande – Die europäischen Rolanddarstellungen und Rolandfiguren, Wettin-Dößel 2005.
  • Dietlinde Munzel-Everling, Der Sachsenspiegel – die Heidelberger Bilderhandschrift: Faksimile, Transkription, Übersetzung, Bildbeschreibung; interaktive CD-ROM, Heidelberg 2009.
  • Marion Perrin/Michael Rockmann, Zur Ikonographie der Dresdner Bilderhandschrift des Sachsenspiegels. Ein Erfahrungsbericht zur Methode aus der Praxis der Bildanalyse, in: Heiner Lück (Hrsg.), Eike von Repgow. Sachsenspiegel. Die Dresdner Bilderhandschrift Mscr. Dresd. M. 32. Aufsätze und Untersuchungen, Graz 2011, S. 47-54.
  • Wolfgang Pleister/Wolfgang Schild (Hrsg.), Recht und Gerechtigkeit im Spiegel der europäischen Kunst, Köln 1988.
  • Franziska Prinz, Der Bildgebrauch in gedruckten Rechtsbüchern des 15. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, Hamburg 2006.
  • Wolfgang Schild, Alte Gerichtsbarkeit vom Gottesurteil bis zum Beginn der modernen Rechtsprechung, München 1980.
  • Wolfgang Schild, Nutzen und Wert von Rechtsarchäologie und Rechtsikonographie für die mittelalterliche Rechtsgeschichte, in: Paul De Win (Hrsg.), Rechtsarcheologie en rechtsiconografie/Rechtsarchäologie und Rechtsikonographie, Brüssel 1992, S. 59-74.
  • Wolfgang Schild, Bilder von Recht und Gerechtigkeit, Köln 1995.
  • Wolfgang Schild, Folter, Pranger, Scheiterhaufen: Rechtsprechung im Mittelalter, München 2010.
  • Ruth Schmidt-Wiegand/Wolfgang Milde, Gott ist selber Recht - Die vier Bilderhandschriften des Sachsenspiegels ; Oldenburg, Heidelberg, Wolfenbüttel, Dresden, 2. Aufl., Wolfenbüttel 1993.
  • Wolfgang Sellert, Recht und Gerechtigkeit in der Kunst, Göttingen 1993.
  • Heino Speer (Hrsg.), Wort – Bild – Zeichen, Beiträge zur Semiotik im Recht, Heidelberg 2012.
  • Susan Tipton, Res publica bene ordinata: Regentenspiegel und Bilder vom guten Regiment, Rathausdekorationen in der frühen Neuzeit, Hildesheim 1996.


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